Handwerker

Raymisa S.A arbeitet mit vielen verschiedenen Firmen, Werkstätten, aber auch mit einzelnen Handwerkern zusammen. Hier einige Kurzbiografien von Keramikern, Retablisten und Webern:

Maximiano Ochante Lozano

Maximiano Ochante Lozano ist ein Retablist. Er verbrachte seine Kindheit bis zu seinem 19. Lebensjahr im Kloster Santa Clara in Ayacucho, bevor er seine Heimatstadt verlieβ. Seine Eltern waren der Überzeugung, dass die Tradition der Familie in der Predigt des Evangeliums liege. Maximiano hingegen war sich seinen geringen Fähigkeiten als Prediger bewusst und fand daher eine andere Art, sich auszudrücken. Er war überzeugt, durch das Anfertigen sogenannter retablos (Hausaltäre) könnten seine Hände seinen Glauben ebenfalls zum Ausdruck bringen und bemühte sich, mehr über die Herstellung von retablos zu lernen.

Ein Problem der Volkskünstler zu dieser Zeit war, wie auch heute noch, die geringe wirtschaftliche Unterstützung und der Mangel an Gelegenheiten, die eigenen Werke ausstellen zu können. Dies, der Terrorismus, sowie das geringe Einkommen, das ihm seine Arbeit verschaffte, veranlassten Maximiano dazu, nach Lima zu ziehen, um dort auf eine bessere Zukunft zu hoffen, mit Erfolg.

Nach Jahren harter Arbeit gewann er 1995 und 1997 den von uns organisierten ersten Platz im Wettbewerb „Premio Nacional Inti Raymi de Artesanía“. Seit diesen und weiteren Annerkennungen galt er auch unter europäischen Spezialisten als ein talentierter Vertreter der peruanischen Volkskunst.

Mit sichtlich groβer Freude arbeitet Maximiano heute, umgeben von seinen Figuren, in seiner Werkstatt, wo verschiedene Plakate an seine Ausstellungen in Deutschland und anderen Ländern erinnern. Das Diplom, das seine Familie mit Stolz erfüllt, wurde ihm in Belgien bei einem internationalen Wettbewerb für Krippen erteilt, wo seine Kreativität von einer internationalen Jury anerkannt wurde. Brigitte Becker, eine Sammlerin seiner Werke, die von Beginn von seiner Arbeit überzeugt war, ermöglichte ihm die Teilnahme an diesem Wettbewerb. Sie stellte bereits zuvor in Frankfurt einen seiner retablos aus.

Im Hinblick auf seine Entwicklung als Künstler sagt er: „Ein Kunsthandwerker erwartet nicht, dass die Dinge vom Himmel fallen, er bildet sich, im Gegensatz zu einem akademisch geschulten Künstler, selbst aus. Er entwickelte über die Jahre hinweg einen eigenen Stil, beherrscht eine eigene Technik, mit der er beinahe eifersüchtig umgeht. Niemand hat ihm all das beigebracht, der Künstler muss sein eigenes Geschick anwenden, um ein Kunstwerk zu schaffen.“

Eines seiner Ziele ist es heute, sein Wissen an neue Generationen von Kunsthandwerkern zu vermitteln und mehr Raum für peruanische Volkskunst zu schaffen.

Feriberto Aylas Enriquez

Feriberto Aylas Enriquez stammt aus einer Töpferfamilie aus La Quinua, Ayacucho, in Peru. Er sieht sich selbst als autodidaktischen Kunsthandwerker, der die Lebensgewohnheiten seiner Heimat widerzuspiegeln versucht. In seinen Werken spürt man sein großes Interesse an seinen Mitmenschen und den Wunsch, die charakteristischen Merkmale der andinen Realität zu vermitteln.

Während er als Kind Tiere hütete – so erinnert er sich – modellierte er schon sein eigenes Spielzeug aus Ton, vor allem kleine Autos, denen er Scherben als Glasfenster einsetzte.

Bereits mit acht Jahren nahm er Unterricht bei einem Lehrer, Artemio Orellano, der ihn geduldig in die Geheimnisse des Kunsthandwerks des Töpferns einweihte. Ein kurzer Lehrgang im technischen Zentrum des Dorfes erlaubte ihm zudem die Bekanntschaft Mamerto Sánchez´s, der damals als Lehrer dort tätig war und ihm wichtige Ratschläge erteilte.

Bis zu seinem 18. Lebensjahr lebte Feriberto gemeinsam mit seinen vier Brüdern in La Quinua. 1985 zog er, wegen der schwierigen Situation, in der sich das Dorf befand, nach Lima, mit dem Ziel, dort sein Fachwissen zu vertiefen. Er fand eine neue Heimat im Stadtteil Chorillos, wo sich eine ganz neue Generation von Kunsthandwerkern aus La Quinua niederlieβ. In einer einzigen Straβe kann man noch heute die drei bekannten Familien Orellana, Huasacca und Aylas finden. Sich gegenseitig unterstützend, bildeten sie dort eine kleine Gemeinschaft aus Ayacucho.

Heute arbeitet Feriberto gemeinsam mit zehn weiteren Personen, die sich um das Brennen und die Bemalung der Tonarbeiten kümmern, in seiner Werkstätte. Die letzten Feinheiten werden mit Hilfe von Erdfarben, „Engoves“ genannt, ausgeführt. Feriberto stellt hauptsächlich Krippen und Engel her und obwohl die modernen Zeiten eigentlich Gasöfen verlangen, zieht Feriberto die Wärme und spezielle Farbtönung, die ein Holzofen der Keramik verleiht, vor.

Zu seinen Verdiensten gehören der erste Platz in der Hauptkategorie 1994, sowie der erste Preis in der Kategorie „Keramik“ 1997 des von Inti Raymi organisierten Wettbewerbs „Premio Nacional Inti Raymi de Artesanía“. 1993 gewann er ebenfalls den von der Zeitschrift „Caretas“ organisierten Wettbewerb „Masken“ und nahm zudem mit einigen seiner Werke an internationalen Wettbewerben der UNESCO teil.

Dank dieser wichtigen Anerkennungen vergröβerte er seine Werkstätte, konnte seine Werke international präsentieren und hatte somit die Gelegenheit, sich einzig und allein seiner Leidenschaft, der Keramik, zu widmen.

Zur Zeit erfüllt er hauptsächlich die Bestellungen von Kunden aus den Vereinigten Staaten und Europa, wobei er seinen typischen Stil stets beibehält. Besonders großen Erfolg hat er mit seinen mit Naturfarben bemalten, andinen Engeln.

Leonidas Orellana Castro

 Leonidas Orellana Castro ist Keramiker und stammt aus einer Kunsthandwerkerfamilie aus La Quinua in Ayacucho, Peru. Er beherrscht eine Töpfertechnik, die künstlerisch, kreativ und von großer Qualität ist.

Schon als kleiner Junge suchte er mit seinen Freunden in der Umgebung der archäologischen Funde der Wari Kultur nach antiken Keramikstücken und malte sich aus, wie diese Keramiken wohl einmal ausgesehen haben könnten.

Mit 13 Jahren besuchte er die berühmten Meister der Volkskunst Arturo Pizarro und Leoncio Tineo, die einen großen Eindruck bei ihm hinterließen, da sie mit großer Geschicklichkeit die verschiedensten Darstellungen seines Dorfes, wie die kleinen Stiere von La Quinua, modellierten. In dieser Zeit entschloss sich auch Leonidas, sich der Keramik zu widmen und begann vor allem religiöse Skulpturen zu modellieren.

Mit seinem Bruder Javier richtete er eine Werkstatt ein und stellte Repliken der Warikultur her. Mit 19 Jahren verließ er La Quinua und zog nach Lima, da seine Heimat vom Terrorismus heimgesucht wurde. In Lima konnte er sich bei seinem Bruder Marcial eine Werkstätte einrichten, in der er Miniaturkeramiken produzierte. In den folgenden Jahren mietete er weitere Räumlichkeiten und veränderte seine Keramikarbeiten wesentlich. Leonidas betrachtet diese Zeit, in der er begann, seine Stücke mit groβem Erfolg zu verkaufen heute als eine seiner besten.

Um sich zu spezialisieren, entschloss er sich damals, Bildende Kunst zu studieren. Er besuchte Seminare zur zeitgenössischen Bildhauerkunst und belegte kaufmännische Kurse. Seine Ausbildung und damit sein breit gefächertes Wissen trugen dazu bei, das Herstellen traditioneller Keramiken zu einer stabilen Einnahmequelle für ihn zu machen. Seine Werkstatt ist daher ein exzellentes Beispiel für einen Keramiker, der es verstanden hat, die traditionelle Arbeit mit den modernen Ansprüchen des internationalen Marktes zu verbinden – ohne dabei die eigene Identität aufzugeben.

Im Jahr 1978 nahm Leonidas Orellana Castro an einem Keramikwettbewerb in Ayacucho teil, der ihm den zweiten Platz einbrachte. Im darauf folgenden Jahr lud ihn die Universität  Huamangas bei Ayacucho zur Teilnahme an einer Ausstellung ein. 1993 und 1996 gewann er im Wettbewerb „Premio Nacional Inti Raymi de Artesanía“ den ersten Platz. Zudem wurde er 1989 zur Ausstellung „Keramik in Lateinamerika“ in Montreal eingeladen und das Nordamerikanisch Peruanische Kulturzentrum, die Galerie Pancho Fierro und der Unionsclub luden ihn zu weiteren Ausstellungen ein.

Seine erfolgreichsten Werke zeigen Schicksale von Frauen während der grausamen Zeit des Terrorismus, der die Andenbevölkerung so schwer erschütterte. Weitere bedeutende Arbeiten sind seine Bibelszenen, wie die „Passion Christi“ und „Arche Noah“. Leonidas beabsichtigt mit seinen Werken, den Alltag der Menschen und die Mystik der Andenwelt zu vereinen.

Roger Martínez Achalma

Roger Martínez Achalma ist Retablist und kommt aus Huamanga, aus der Region Ayacucho in Peru. Er wuchs mit seinem Vater auf, der dort eine Werkstatt besaβ, in der er typische retablos (Hausaltäre) aus Ayacucho herstellte. Martínez Achalma lernte schon früh, Gussfiguren für die retablos herzustellen und sie mit traditionellen Mustern zu bemalen. Als er 17 Jahre alt wurde, beschloss er, sich voll und ganz den retablos zu widmen, unterstützte vorerst seinen Vater und zog dann schlieβlich ein Jahr später nach Lima, um dort eine eigene Werkstatt zu eröffnen und eigene retablos unterschiedlichster Gröβen herzustellen.

Eines Tages erhielt er einen Auftrag, Holzmöbel dekorativ zu bemalen; sein Werk stiess bei den Kunden auf so positive Kritik, dass es ihn dazu veranlasste, dies zu seiner Hauptaufgabe, zu seinem Beruf zu machen.

Aktuell arbeitet Roger Martínez Achalma für Raymisa, wo er zahlreiche Aufträge für Bemalung von Holzmöbeln erhält, vorwiegend für den amerikanischen Markt.

Elias Mozombite Quispe:

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Der Weber Elias Mozombite Quispe wurde in Satipo, in der Region Junin, geboren. Schon in jungen Jahren zog er nach Huancayo, um dort die weiterführende Schule zu besuchen, wo er in den letzten Jahren seiner Schulzeit lernte, an manuellen Webstühlen zu weben. Er lernte mehr und mehr über die Webkunst, bis er sich schlieβlich 1990  entschloss, zu einem Verwandten nach Lima zu gehen, um dort in den groβen Werkstätten der Hauptstadt Arbeit zu finden.

Elias Mozombite Quispe lebt heute mit seiner Frau und seinen vier Kindern zusammen. Drei seiner Kinder haben die Schule besucht, seine älteste Tochter arbeitet. Zwei der Söhne haben zunächst auch weben  gelernt und begonnen, in der Werkstatt zu arbeiten, fanden im Gegensatz zu ihrem Vater allerdings keinen Gefallen an der Tätigkeit. Sein ältester Sohn plante jedoch, BWL zu studieren, um später eventuell die Verwaltung in der Werkstatt seines Vaters übernehmen zu können.

Mozombite Quispe begann 2006 für Raymisa zu arbeiten und erhielt anfangs in der Zeitspanne von April bis August Aufträge. Zu Beginn waren die Aufträge von Raymisa nur Zusatzaufträge, da er gleichzeitig für andere Firmen arbeitete, doch als sich mit der Zeit die Geschäftsbeziehungen zwischen ihm und Raymisa ständig verbesserten, entschied er sich, ausschlieβlich für Raymisa zu arbeiten und lediglich ihre Aufträge durchzuführen. Mittlerweile wohnt er in der Nähe der Firma und erhält über das ganze Jahr hinweg Aufträge. Er arbeitet zusammen mit seiner Frau in der Werkstatt, wo ihm vier manuelle Maschinen zur Verfügung stehen und schult nebenbei Anfängergruppen in der Webkunst.

Die Aufträge von Raymisa sind lebenswichtig für Elias Mozombite Quispe, da er seinen Kindern andernfalls  keine Ausbildung ermöglichen und seine Familie nicht ernähren könnte.

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